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Stated Preferences

In der Verkehrsplanung wird die Mobilität im allgemeinen und die Verkehrsmittelwahl im besonderen üblicherweise in der Form der Revealed Preferences erhoben und analysiert. Revealed-Preferences-Daten beschreiben tatsächliches, empirisches Verhalten. Dazu werden Mobilitäts-protokolle oder -tagebücher von Testpersonen ausgefüllt. Ein bekanntes Beispiel ist das KONTIV- bzw. SrV-Design. Für viele Fragestellungen ist diese Form der empirischen Beschreibung der Mobilität ausreichend.

Mit den Methoden der Stated Preferences ist es dagegen möglich, Aussagen über das Verhalten unter Be-din-gungen zu erhalten, die in der Realität (noch) nicht existieren. Es handelt sich um eine Marktforschungstechnik, die analysiert, wie sich die Kunden zwischen konkurrierenden Dienstleistungen oder Produkten in hypothetischen Märkten entscheiden (Was-wäre-wenn-Be-fragung). Mit Hilfe dieses Instruments können mit vergleichsweise geringem Aufwand Marktchancen bewertet, Potenziale identifiziert und konkrete Aussagen zur Optimierung neuer Produkte oder Dienstleistungen getroffen werden.

Die Methoden der Stated Preferences wurden seit Beginn der 70er Jahre in der Marktforschung entwickelt und eingesetzt. Mitte der 80er wurden sie auch in die Verkehrsplanung eingeführt. Die Verfahren sind eine Weiterentwicklung klassischer Ansätze wie beispielsweise der Conjoint Analysis oder der direkten Nutzenmessung.

Im Rahmen der Stated-Preferences-Familie gibt es verschiedene Befragungsansätze, die jeweils über spezifische Vorteile verfügen. Eine Möglichkeit ist, den Befragten fiktive Entscheidungssituatio-nen mit Alternativen vorzulegen, deren Merkmale nach einem vorher festgelegten statistischen Versuchs-plan systematisch verändert werden. Für jede Entscheidungssituation wird um eine Wahl gebeten (Stated Choice). Auf diese Weise kann beispielsweise der Einfluss neuer Angebote auf die Wahl der Befragten zwischen Pkw und öffentlichen Verkehrsmitteln ermittelt werden.

Pkw

Bus

Fahrzeit

10 min

15 min

Kosten

4,50 €

3,50 €

Umsteigen

Nein

Entscheidung

0

0

Beispiel für Stated Choice

Von PTV werden erfahrungsbasierte Stated-Preferences-Befragungen durchgeführt, in denen die Fragebögen für jede Person individuell und maßgeschneidert erzeugt werden. Dies erfordert ein zweistufiges Vorgehen bei der Befragung, wobei in der ersten Befragungsstufe zunächst das tatsächliche Verhalten (die oben erwähnten Revealed Preferences) ermittelt wird.

Eine spezielle Form der Stated-Preferences-Befragung ist das Stated Ranking: Hierbei werden die Testpersonen gebeten, die vorgegebenen Merkmale des zu testenden Produkts in eine Rangfolge zu bringen, d.h. eine Bewertung hinsichtlich der Güte oder der subjektiven Wichtigkeit vorzunehmen. Ranking-Experimente weisen Ähnlichkeit mit dem Conjoint Measurement auf.

Angebot

Fahrzeit

Fahrpreis

Rang

A

20 min

7,00 €

3

B

30 min

7,00 €

4

C

20 min

5,00 €

1

D

30 min

5,00 €

2

Beispiel für Stated Ranking

Bei Stated Rating wird das zu untersuchende Produkt bzw. die Dienstleistung ebenfalls bezüglich seiner Merkmale bewertet, hier allerdings auf einer Skala. In die Bewertung kann dabei sowohl die Beurteilung von Produktmerkmalen (Zufriedenheit) als auch die subjektive Bedeutung dieser Merkmale für den einzelnen eingehen. Aus dem Abgleich aus Beurteilungs- und Bedeutungswerten kann der Handlungsbedarf für den Anbieter ermittelt werden.

A-dorf -> B-stadt

sehr gut

 ... 

 ... 

sehr schlecht

Fahrpreis: 3,50 DM

O

O

O

O

Fahrzeit: 20 min

O

O

O

O

Takt: alle 15 min

O

O

O

O

Beispiel für Stated Rating (Beurteilung)

Neben diesen drei am häufigsten verwendeten Formen gibt es weitere, eher monetäre Ansätze, bei denen die Befragten entweder ein vorgegebenes Budget haben oder den Betrag angeben müssen, den sie für ein bestimmtes Produkt zu zahlen bereit sind (Transfer Pricing, Priority Evaluator).

Die Auswertung der Stated-Preferences-Daten erlaubt es dann, dezidierte Aussagen hinsichtlich der Angebotsgestaltung zu treffen. Beispiele dafür sind:

  • Welche Merkmale unseres Angebots haben für die Erhöhung der Nachfrage die größte Bedeutung?
  • Wie ändert sich die Nachfrage, wenn wir die Fahrpreise um x% erhöhen oder die Fahrzeiten um y% verbessern?
  • Was passiert, wenn wir eine ganz neue Dienstleistung oder ein neues Verkehrsmittel einführen?
  • Welches Produktprofil hat die größte Akzeptanz?
  • Wie kann das vorhandene Angebot am effektivsten geändert werden, um die Nachfrage zu erhöhen?

Zum Thema Stated Preferences gibt es mittlwerweile umfangreiche wissenschaftliche Literatur. Ein guter und vergleichsweise leicht verständlicher Überblick wird beispielsweise in AXHAUSEN, K. W.: Hinweise zur Messung von Präferenzstrukturen mit Methoden der Stated Preferences (herausgegeben von FGSV Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen, Köln 1996) gegeben.

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