VISSIM Fußgängersimulation: Sommer, Sonne, Festival
Maßgeschneidertes für die Masse
Der Mensch sucht das Erlebnis in der Menge und manchmal schlägt diese panisch um sich. Gott sei Dank, bleibt das eher die Ausnahme. Doch Tragödien wie bei der Loveparade in Duisburg oder jüngst bei einer Autogrammstunde in Oberhausen führen wieder vor Augen, wie wichtig eine fundierte Planung für die Sicherheit der Eventbesucher ist.

- Für "Das Fest" in Karlsruhe erstellte die PTV ein Video, das die Notausgänge und Fluchtwege aufzeigt.
Ein Feuer bricht aus, dichter Rauch liegt in der Luft. Spitze Schreie hallen über das Gelände. Menschen irren durcheinander. In der Not ist sich selbst jeder der Nächste. Szenen dieser Art liefert uns Hollywood zuhauf und sie haben unsere Vorstellung von Gefahrensituationen geprägt. Doch entspricht das auch der Wirklichkeit?
Keine Massenpanik am Ground Zero
Forschungen haben ergeben, dass gerade bei Katastrophen nicht Egoismus und Hysterie dominieren, sondern Hilfsbereitschaft und Besonnenheit. So brach beispielsweise auch an "9/11" keine Panik aus, als die Zwillingstürme in New York einzustürzen drohten. Das zeigen die Untersuchungen, die das National Institute of Standards and Technology im Auftrag der US-Regierung gemacht hat. Im Abschlussbericht halten die Autoren fest, dass die Menschen trotz Feuer teils lange in ihren Büros ausharrten, ehe sie durch das überfüllte Treppenhaus zu flüchten versuchten. Laut Augenzeugenberichten hastete dabei kaum jemand panisch los oder stieß andere beiseite. Stattdessen halfen viele Menschen einander, handelten bei aller Furcht und Eile relativ gesittet und koordiniert.
Erschwerter Informationsfluss
Von vielen anderen Unglücksfällen wird Ähnliches berichtet: Vor allem solange eine Gefahr noch nicht unmittelbar spürbar ist, besteht allgemein eine hohe Hilfsbereitschaft - etwa bei Feueralarm ohne sichtbaren Rauch. Der Katastrophenexperte Lee Clarke von der Rutgers University New Jersey zog in einem Fachartikel 2002 folgendes Fazit: "Eine der stabilsten Resultate aus 50 Jahren Forschung lautet: Die unmittelbar Betroffenen verlieren eher selten die Kontrolle." Dies gilt insbesondere dann, wenn sie die Zeit als genügend und den Ausgang der Situation für alle Beteiligten als glimpflich einschätzen. Eine Gruppe in einem Treppenhaus neigt somit eher zur Kooperation als eine, die vor einem kleinen Fahrstuhl wartet.
Der von den Medien geprägte Begriff der "Massenpanik" beschreibt hingegen am ehesten Situationen, in denen keine äußere Bedrohung existiert: Hier verschwindet die Bereitschaft zur Kooperation, weil es ein begehrtes, aber zu knappes Gut zu holen gibt. Dieses muss nicht materiell sein, es kann sich auch um das Gefühl, Platz zu haben, handeln. Häufig verschärft eine mangelnde "Front-to-Back"-Kommunikation solche Unruhen; zum Beispiel wenn ein Wartekorridor in unübersichtlicher Weise abknickt und die Personen hinten nicht aufhören zu drängen, da sie die missliche Situation vorne nicht erkennen können.
Maßgeschneiderte Sicherheitskonzepte
Für Sicherheit sorgen zum einen gesetzliche Restriktionen. Diese bieten vor allem in speziell konstruierten Veranstaltungsorten wie Stadien weitgehend Schutz. Für Stadtfeste und Open-Air-Events kommt die Erfahrung der Veranstalter und Einsatzkräfte als zweiter wichtiger Bestandteil hinzu. Als drittes Element helfen Computersimulationen wie mit VISSIM von der PTV, "Was wäre wenn?"-Gedankenspiele quantitativ zu analysieren. Dank diesen können sich Veranstalter auf unterschiedliche neue Situationen in gewissem Ausmaß vorbereiten.
Vergleichbar mit der Checkliste eines Piloten vor dem Start, verhindert die visuelle Aufbereitung solcher Simulationen, dass eigentlich vorhandene Informationen übersehen werden. Denn Großevents sind sehr komplex und die Daten zu ihrer Planung ergeben sich aus zahlreichen Quellen, die man miteinander kombinieren muss. Simulationen sind ein ideales Werkzeug, diese Daten für die Planung maximal effizient zu organisieren und aufzubereiten. Fast schon als Nebeneffekt können diese Animationsfilme dann die Besucher über Notausgänge und Rettungswege in intuitiv erfassbarer Weise informieren - wie beim Karlsruher Open-Air-Festival "Das Fest".

- Damit die Masse fließt: Mit VISSIM, einem Modul der Softwarefamilie PTV Vision zur Verkehrsplanung und -simulation, lassen sich am PC Szenarien generieren, die die Bewegungsströme in Menschenmassen realistisch aufzeigen. Anhand verschiedener Parameter wie Zahl, Dichte und Tempo der jeweiligen Personen erstellt VISSIM Messungen und Animationen, die Prognosen über zu erwartende Staus erlauben. Diese sind zwar stets von den zu Grunde gelegten Eckdaten abhängig, können aber helfen, in Sekundenschnelle mögliche Gefahren durchzuspielen und deren Auftreten in der Realität zu vermeiden.



